LEO FamilieLEO Familie

Themenübersicht

Suchbegriffe

Fast eine kleine Familie

Wer kocht? Wer putzt? Wer kauft ein? Das Leben in einer Wohngemeinschaft hält jede Menge Herausforderungen im Alltag und Zusammenleben parat. Und es vereint Menschen aus verschiedensten Berufs- und Altersgruppen.

Dessau-Roßlaus Bevölkerung ist im ständigen Wandel. Viele junge Menschen zieht es nach dem Schulabschluss berufs- oder studienbedingt in die Ferne, gleichzeitig kommen zahlreiche neue Einwohner hinzu. Neben Fachleuten für die ansässigen Unternehmen und Behörden sind das natürlich in erster Linie Studierende der Hochschule Anhalt. Vor dem ersten Arbeitstag oder der ersten Vorlesung steht jedoch die Suche nach einem geeigneten Zweit- oder auch Erstwohnsitz. Besonders beliebt sind insbesondere bei den jungen Neu-Dessau-Roßlauern Wohngemeinschaften. Denn die WG hat viele Vorteile – auch wenn es natürlich einige Schattenseiten gibt.

Anna, Julia, Georg und Jonas sind vier von hunderten Einwohnern der Doppelstadt, die sich für das WG-Leben entschieden haben. Alle Vier wohnen in einem Mehrfamilienhaus, allerdings in drei separaten Wohngemeinschaften. Anna aus Eberswalde und die Jenaerin Julia zog das Designstudium 2011 nach Dessau-Roßlau, Jonas kam für sein Bachelorpraktikum aus Leipzig und blieb danach zum Jobben, Georg aus Sebnitz bei Dresden hat sein Studium bereits 2012 erfolgreich abgeschlossen und ist seiner neuen Heimat danach ebenfalls treu geblieben. Die Beweggründe dafür, in eine Wohngemeinschaft zu ziehen, sind sich relativ ähnlich. „Alleine wohnen ist nichts für mich. Mir gefällt der ständige Austausch mit anderen“, sagt Anna dazu. Jonas bekräftigt: „Ich habe keine Lust, nach der Arbeit in eine leere Wohnung zu kommen. Das würde die Wochentage ziemlich trostlos machen.“ Georg schätzt das beruhigende Gefühl, nie allein zu sein, selbst wenn er sich in sein eigenes Zimmer zurückzieht, und auch für Julia machte es die WG deutlich leichter, neue Kontakte zu knüpfen. „Man kann das schon fast als kleine Familie werten.“ Und selbstverständlich sprechen auch finanzielle Argumente für die Wohngemeinschaft.

Dass die Vier ihre Entscheidung bisher noch nicht bereut haben, zeigt die Begeisterung, mit der sie von ihrer neuen „Familie“ sprechen. „Man quatscht, trinkt Bier, schaut sonntags „Der Hobbit“ auf dem Balkon und unterhält damit auch den ganzen Hinterhof. Man spielt zusammen Ukulele und nervt die Nachbarn, lässt sich von dem Mitbewohner bekochen, der gelernter Koch ist, fährt zusammen baden“, gibt Georg einen kleinen Einblick in das WG-Leben. Der Austausch über die Erlebnisse des Tages, das gemeinsame Kochen und Essen, die offenen Ohren und der Spaß mit Gleichgesinnten werden von allen betont – über die Grenzen der Einzel-WGs hinweg. Und selbst im Studium hilft die Gemeinschaft, mit neutralem Feedback zu aktuellen Arbeiten beispielsweise, wie die 23-jährige Julia betont. Aber natürlich hat das Zusammenleben auch seine besonderen Herausforderungen. Schließlich sind die Mitbewohner zumindest anfangs meist Fremde, und jeder bringt seine besonderen Eigenheiten und Vorlieben mit. „Deswegen ist wahrscheinlich das Wichtigste, Wert auf die passenden Mitbewohner zu legen. Und natürlich muss man auch ein Stück toleranter und aufgeschlossener sein und, falls einem mal wirklich was nicht passt, den richtigen Ton treffen“, bestätigt Jonas.

Und dann wären da natürlich noch die leidigen Pflichtaufgaben. Wer putzt, wer wäscht ab, wer erledigt die Einkäufe? Über einen Putzplan verfügt jede der drei WGs – mit unterschiedlichem Erfolg. Während in Annas Haushalt beispielsweise die Reinigung wöchentlich in wechselnden Händen liegt, befindet sich Julias Wohngemeinschaft noch in der „Optimierungsphase“, und Georg sieht es mit seinen Mitbewohnern recht entspannt: „Es ist nicht wirklich steril bei uns. Aber irgendwie funktionierts.“ Abgewaschen wird dagegen überall nach Bedarf. Dessau-Roßlau haben die Zugezogenen inzwischen in ihr Herz geschlossen. Anfangs sei er sehr skeptisch gewesen, gibt der 29-jährige Georg zu, aber „ich habe hier echt Freunde fürs Leben gefunden“. Anna schätzt den ständigen Kontakt unter den Studenten und die Parkanlagen der Region, ebenso wie Julia, die außerdem lobt, dass sich alles mit dem Rad erkunden lässt. Jonas hat neben dem vielen Grün auch den Campus und das internationale Flair durch die Austauschstudenten liebgewonnen, mag das Bauhaus ebenso wie die vielen sanierten Altbauten oder das Theaterangebot.

Aber es gibt natürlich auch Verbesserungs-potenzial. Es müsse noch mehr dafür getan werden, um Pendler, egal ob Studenten, Azubis oder Arbeitnehmer, zum Umzug nach Dessau-Roßlau zu motivieren, so Jonas. Beispielsweise, indem man mit einem gemeinsamen Internetauftritt der Kneipen und Bars zeigt, dass die Stadt einiges zu bieten hat. Julia wünscht sich Open-Air-Bars im Grünen, die Jung und Alt zusammenbringen, und mehr Veranstaltungen auf dem Lily-Herking-Platz. Und aus Annas Sicht könnte die Stadt noch enger mit der Hochschule zusammenwachsen, „denn dort sitzen viele junge Kreative, die auch vieles bewirken könnten“.

Adressen finden

Adressen zu folgenden Einrichtungen finden Sie direkt Online!

Bündnis für Familie DAA Dessau Bündnis für Alleinerziehende Stadt Dessau-Roßlau LEO - Das Anhalt Magazin