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Normalität in schweren Zeiten

Im Juni 2013 wurde das Anhaltische Hospiz um sechs Plätze auf 14 erweitert.

Der Tod gehört zum Leben, und trotzdem wird er im Alltag verdrängt, so gut es geht. Bis der Moment kommt, an dem es eben nicht mehr geht, an dem die Endlichkeit der eigenen Existenz oder der eines nahen Angehörigen abzusehen ist. Hilfe in dieser schweren Zeit bietet das Anhalt-Hospiz, das insgesamt 14 Plätze bietet, davon zwei für Kinder und Jugendliche. Seinen bis zu 14 Gästen will das Hospiz bis zum Schluss ein würdevolles Leben als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft ermöglichen, wie der ärztliche Leiter Dr. Günther Scheithauer und Geschäftsführerin Dr. Anja Schneider deutlich machen.

Was ist das Anhalt-Hospiz?
Dr. Schneider: Ein Hospiz ist ein Ort, wo Menschen, die keine Heilungschancen mehr haben und die sich auf dem letzten Weg befinden, also in der letzten Phase ihrer Erkrankung sind, die Möglichkeit erhalten, pflegerisch, psychosozial, medizinisch gut versorgt und begleitet zu werden.
Dr. Scheithauer: Im Gegensatz zum Krankenhaus steht bei uns die Palliativmedizin im Vordergrund, das heißt, eine Heilung ist nicht mehr möglich oder die Patienten möchten keine weiteren kurativen Ansätze durchführen lassen. Stattdessen widmen wir uns voll und ganz dem Ziel, den Gast in seiner Gesamtheit zu behandeln und dafür zu sorgen, dass er die ihm verbleibende Zeit so angenehm, mit guter Lebensqualität und so frei von Symptomen wie möglich verbringt.

Welche Hilfe und Unterstützung bieten Sie Angehörigen?
Dr. Schneider: Ganz wesentlich ist die psycho-soziale Begleitung, also das Gespräch mit den Angehörigen. Sie werden in alles einbezogen, sind quasi Teil unseres Versorgungsteams. Wir involvieren die Seelsorge der Gemeinde, wenn es gewünscht wird. Wir haben wöchentlich ein Hospizcafé, gemeinsam mit den Ehrenamtlichen, unserer Trauerbegleitung und der Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen. Wir haben einen Gesprächskreis und bieten auch Trauergruppen an. Wir können jederzeit eine Psychologin einschalten, wenn wir merken, dass jemand mit der Situation überhaupt nicht zurechtkommt, gerade auch wenn es jüngere Betroffene sind. Denn oft sind es die Angehörigen, die fast noch mehr unter der Situation leiden als unsere Gäste selbst.
Dr. Scheithauer: Gast und Familie bilden für uns eine Einheit. Die gesamte Atmosphäre im Hospiz wird an den Bedürfnissen des Gastes ausgerichtet. Natürlich stehen Pflege und medizinische Betreuung rund um die Uhr zur Verfügung, auch der Hausarzt kann seinen Patienten im Hospiz weiter betreuen. Bei speziellen Fragen stehen Palliativmediziner beratend zur Seite. Für Angehörige besteht die Möglichkeit, im Zimmer ihrer Lieben zu übernachten. Die Einzelzimmer haben alle Zugang zu einer Terrasse und natürlich dürfen die Lieblingssachen auch mit ins Hospiz. Selbst der geliebte Vierbeiner ist gern gesehen. Weiterhin halten wir auch Gästezimmer bereit, in denen Angehörige übernachten oder sich auch nur mal erholen können.

10 Prozent Ihrer Kosten müssen Sie durch Spenden aufbringen. Wie sieht es mit den restlichen 90 Prozent aus? Wie hoch ist die Belastung für Gäste und Angehörige?
Dr. Schneider: Im Hospiz übernehmen Krankenkasse und Pflegekasse gemeinsam diese 90 Prozent.Hintergrund ist der sogenannte „Hospizparagraph“, der für jeden Menschen gilt, der bestimmte Kriterien erfüllt, wie eine weit fortgeschrittene unheilbare Erkrankung oder begrenzte erwartete Lebenszeit. Und so viel auch über Krankenkassen und Pflegeversicherung geschimpft wird, die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Die Angehörigen erhalten von uns nie eine Rechnung.

Wie groß ist die Nachfrage nach den Hospizplätzen?
Dr. Schneider: Wir haben im Juni 2013 um sechs Plätze erweitert, weil unsere bisherigen acht Plätze so stark ausgebucht waren, dass wir viele Menschen auf die Warteliste setzen oder an andere Einrichtungen verweisen mussten. Wir haben nun auch zwei Plätze für Kinder und Jugendliche, denn auch hier ist der Bedarf leider größer, als wir ursprünglich erwartet hatten. Wir wollen damit dazu beitragen, dass Eltern nicht auf gesonderte Kinderhospize angewiesen sind, von denen das nächste in Magdeburg liegt, sondern dass sie hier weiter wohnen und leben können.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt?
Dr. Scheithauer: Ehrenamtliche Mitarbeiter stellen einen unverzichtbaren Teil unseres Angebotes dar. Nur durch ihre aufopferungsvolle Arbeit kann es glücken, den betroffenen Patienten und Familien zeitweise ein „normales“ Leben zu gestalten. Ich möchte besonders auf die drohende Isolation bei einer schweren Krankheit hinweisen, die sowohl den Patienten als auch die pflegenden Angehörigen betreffen können. Letztere insbesondere, wenn die Pflege der Angehörigen fast alle Freizeit und Kraft aufbraucht. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind durch Schulungen auf diese Aufgaben vorbereitet. Und selbstverständlich sind wir auch jederzeit für weitere ehrenamtliche Unterstützung dankbar.

Infokasten

Anhalt-Hospiz
Oechelhaeuserstraße 17
06846 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340 650196–0
www.anhalt-hospiz.de

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